Installationsansicht, Kunsthalle Bern, 2017 Installationview, Kunsthalle Bern, 2017

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Nicht wenige Künstler*innen suchen seit einiger Zeit den Widerstand des Materials. Ihre Suche scheint nicht allein der Flucht aus der Langeweile angesichts der allzu vertraut gewordenen Oberflächen einer digital geprägten Welt geschuldet. Es wird darüber hinaus nach dem Moment gesucht, das der eigenen Kontrolle entgleitet, an dem das Material und die verwendeten Werkzeuge sprechend werden und sich in den Entstehungsprozess des Kunstwerkes einschalten. Die künstlerische Suche nach der Zurücknahme der eigenen Autorität berührt die in der Philosophie unter dem Stichwort „spekulativer Realismus“ verhandelte Frage, wie viel menschlicher Zugriff sein muss und dem Planeten Erde gut tut. Der Künstler Stefan Burger widmet sich der analogen, an das Labor gebundenen Fotografie aber auch aus ganz anderen Gründen. Vielleicht gab es zunächst auch gar keine Begründung für diesen Schritt und er wollte sich einfach als der verlieren, der er zu sein glaubte oder als den ihn ein Kunstpublikum zu kennen meinte. In jedem Fall führte der Weg über das Labor zu einer neuen Seite von Burger und öffnete eine überraschende Flur in seinem Schaffen, die sich erheblich von dem unterscheidet, was man bisher von ihm zu kennen glaubte. An die Stelle des „berühmten Burger-Humors” tritt jetzt in seinen Bildern der feinsinnige Zauber des pflanzlichen Objekts und in manchen Fotografien eine erstaunliche Tiefe. Es ist eine Tiefe, die immer auch täuscht. Denn es scheint sich auch um beinah magische Oberflächen zu handeln. Flache Tiefen, die sich einer Versprachlichung zwar nicht unmittelbar widersetzen, an denen diese aber immer wieder abgleitet; es lässt sich beschreiben, wie etwa eine noch so kärgliche Pflanzenranke als Wesen mit Charakter auftritt, wie berückend manche Licht- oder Glanzerscheinungen in den Bildern sind, da in der analogen Fotografie eine andere Mannigfaltigkeit erreicht werden kann als in der digitalen; es liesse sich auch über die chromatischen Auren, die durch chemische Prozesse erzeugten Stimmungen sprechen. Doch der Versuch der Versprachlichung formaler Erscheinungsformen, der Versuch, das Material in Sprache zu übertragen, stösst an Grenzen. Denn was vermag die Sprache der Intensität dieser Bilder hinzuzufügen? Ihre Wirkungskraft beruht auf etwas, das sich jenseits von Text und äusserlichem Inhalt auffächert und sich allein in der Lust der Betrachtung entfalten kann. Dennoch führen die Bilder auch von sich selbst weg. Ihre Selbstbezüglichkeit kippt und verschränkt sich mit anderen Wirklichkeiten. Die Bilder sind alles andere als gefällig, aber sie bergen die Möglichkeit von Schönheit, indem sie sich für die Einmaligkeit von etwas öffnen, das ist – einer Pflanze, dem Licht. Sie versuchen die Wirklichkeit zu durchdringen, indem sie aus der Sinnlichkeit schöpfen, um in der Gestalt des Kunstwerks zurückzukehren. Die Bilder von Stefan Burger lassen an ästhetische Vorstellungen der traditionellen chinesischen Kunst denken, in der die Schönheit als unergründliches Geheimnis gilt, weil ihre Notwendigkeit nicht auf den ersten Blick evident scheint. Schönheit hat dort aber auch mit der Einmaligkeit des Augenblicks zu tun, sie ist ein Drang und ein Ereignis, das einen ergreifen kann, kein Zustand. Es existiert nicht die statische Vorstellung von Subjekt und Objekt, sondern von Fülle und Leere, von Atem und Rhythmus. Im Dazwischen liegt der künstlerische Ort der „mittleren Leere“, es ist der Raum des Innehaltens, der aber auch zu Verwandlung führen kann.
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Valerie Knoll, September 2017
Quite a few artists have been seeking the resistance of material in recent years. Apparently, this search not only has to do with escaping the boredom caused by the now all too familiar surfaces of a digitally-shaped world. What is also being sought is the moment that eludes one’s control, the moment when the material and the employed tools start speaking on their own and intervene in the artwork’s formation process.
The artistic quest for withdrawing one’s authority touches upon the question, dealt with in philosophy under the keyword “speculative realism,” of how much human intervention is necessary and does planet Earth good. But the artist Stefan Burger is dedicated to analog photography created in the laboratory for entirely different reasons as well. Perhaps there was initially no reason at all for this step, and he only let go of who he believed to be and the art audience was allegedly familiar with.
In any case, the path led via the lab to a new side of Burger and opened up a surprising corridor in his creativity that distinguishes itself significantly from what one believed to know from him. The “famous Burger humor” in his pictures is now replaced by the subtle charm of the botanical object and, in some photos, by a surprising depth. A depth that still deceives, however, for it seems to also consist of almost magical surfaces. Flat depths, which may not directly resist verbalization, but from which the attempt to put them into words repeatedly slides off; for example, one can describe how an extremely scanty tendril appears as a being possessing a character, or how entrancing certain manifestations of light or luster in the pictures are, since analog photography can achieve a different diversity than digital photography; one could also speak about the chromatic auras, about the moods created by chemical processes.
But the attempt at verbalizing formal manifestations, at translating the material into language, reaches its limits. For what can language add to the intensity of these photos? Their power is based on something that can unfold only beyond text and external content, and solely in the joy of contemplation. Yet the images also lead away from themselves, their self-referentiality shifts and intertwines with other realities. The pictures are anything but pleasant, yet they bear the potentiality of beauty in that they open themselves up to the uniqueness of something—a plant, the light. They attempt to penetrate reality by drawing from sensuousness, to then return in the form of an artwork.
Stefan Burger’s pictures remind one of the aesthetic ideas of traditional Chinese art, in which beauty is deemed an unfathomable mystery, because its necessity does not appear evident at first sight. But there, beauty also has to do with the uniqueness of the moment, it is an urge and an event that can captivate one, but it is not a state. There is no static notion of subject and object, but instead of abundance and emptiness, breath and rhythm. In between lies the artistic place of “middle emptiness,” it is a space to pause, albeit one that can also lead to transformation.
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Valerie Knoll, September 2017