Installationsansicht, *18 h 00*, Grenzraum, Zeppelinmuseum Friedrichshafen, 1.6.–8.7.2012
Installation view, *18 h 00*, Grenzraum, Zeppelinmuseum Friedrichshafen, 6/1–7/8/2012

Installationsansicht, *18 h 00*, Grenzraum, Zeppelinmuseum Friedrichshafen, 1.6.–8.7.2012
Installation view, *18 h 00*, Grenzraum, Zeppelinmuseum Friedrichshafen, 6/1–7/8/2012

*Romance 2*, 2012, Holz, perforiertes Acrylglas, Prosecco, Salami, Mayonnaise, Kirschschnaps, Schaumstoff, Draht, Papier, Lack, diverse Kunststoffe, 230 × 140 × 40 cm *Romance 2*, 2012, wood, perforated acrylic glass, prosecco, salami, mayonnaise, kirsch, styrofoam, wire, paper, lacquer, various plastics, 230 × 140 × 40 cm

*Romance 3*, 2012, Holz, perforiertes Acrylglas, Prosecco, Salami, Mayonnaise, Kirschschnaps, Schaumstoff, Draht, Papier, Lack, diverse Kunststoffe, 230 × 140 × 40 cm *Romance 3*, 2012, wood, perforated acrylic glass, prosecco, salami, mayonnaise, kirsch, styrofoam, wire, paper, lacquer, various plastics, 230 × 140 × 40 cm

*Romance 3*, Detail *Romance 3*, detail

*Untitled*, perforiertes Acrylglas, 50 × 85 cm *Untitled*, perforated acrylic glass, 50 × 85 cm

*Untitled*, perforiertes Acrylglas, 50 × 85 cm *Untitled*, perforated acrylic glass, 50 × 85 cm

*Nostalgie d‘un autre 1*, 2012, nach Waschgang vereinzelte Socken der Exfreundinnen des Exassistenten, Silikon, Acrylglas, Aluminium, Inkjetprint, 30 × 40 cm *Nostalgie d‘un autre 1*, 2012, socks separated by washing from ex-girlfriends of the ex-assistant, silicone, acrylic glass, aluminium, inkjet print, 30 × 40 cm

*Nostalgie d‘un autre 2*, 2012, nach Waschgang vereinzelte Socken der Exfreundinnen des Exassistenten, Silikon, Acrylglas, Aluminium, Inkjetprint, 30 × 40 cm *Nostalgie d‘un autre 2*, 2012, socks separated by washing from ex-girlfriends of the ex-assistant, silicone, acrylic glass, aluminium, inkjet print, 30 × 40 cm

*Nostalgie d‘un autre 3*, 2012, nach Waschgang vereinzelte Socken der Exfreundinnen des Exassistenten, Silikon, Acrylglas, Aluminium, Inkjetprint, 30 × 40 cm *Nostalgie d‘un autre 3*, 2012, socks separated by washing from ex-girlfriends of the ex-assistant, silicone, acrylic glass, aluminium, inkjet print, 30 × 40 cm

*Nostalgie d‘un autre 4*, 2012, nach Waschgang vereinzelte Socken der Exfreundinnen des Exassistenten, Silikon, Acrylglas, Aluminium, Inkjetprint, 30 × 40 cm *Nostalgie d‘un autre 4*, 2012, socks separated by washing from ex-girlfriends of the ex-assistant, silicone, acrylic glass, aluminium, inkjet print, 30 × 40 cm

*Nostalgie d‘un autre 5*, 2012, nach Waschgang vereinzelte Socken der Exfreundinnen des Exassistenten, Silikon, Acrylglas, Aluminium, Inkjetprint, 30 × 40 cm *Nostalgie d‘un autre 5*, 2012, socks separated by washing from ex-girlfriends of the ex-assistant, silicone, acrylic glass, aluminium, inkjet print, 30 × 40 cm

Installationsansicht, *18 h 00*, Grenzraum, Zeppelinmuseum Friedrichshafen, 1.6.–8.7.2012
Installation view, *18 h 00*, Grenzraum, Zeppelinmuseum Friedrichshafen, 6/1–7/8/2012

:)
Stefan Burger
*18h 00*
Grenzraum
Zeppelinmuseum Friedrichshafen
1.6. – 8.7.2012

Die Ausstellung *18h 00* setzt, im Titel schon angedeutet an dem Moment an, an dem die Kunst am schönsten sein wird: am Ende der Museums-öffnungszeiten, im Dunkeln des Grenzraums, mit sich und als einzigem Publikum einigen verirrten Kreuzspinnen allein. Die im hierarchischen Gedrängel um die idealen Futterplätze in Lichtnähe bis in den lichtarmen Grenzraum verdrängten schwächeren Spinnen, werden auch dort nach längerem Ausharren und den Gesetzen des Zufalls nach mal was Brauchbares , mal was Unbrauchbares in ihrem Netz vorfinden. Während Unbrauchbares ignoriert wird und in einer auswegslos verklebten Situation verendet, wird Brauchbares auf der Stelle in die Bewegungsunfähigkeit gewickelt und innerlich mit einem zersetzenden Sekret ausgestattet, das die differenzierte Gestalt der einzelnen Organe des Opfers in einen universellen Nahrungsbrei verwandelt. Der so entstandene Nahrungsbrei wird von der Spinne mittels spezieller fiederartiger Borsten um der Mundöffnung und einer sogenannten ‚Gaumenplatte’ gefiltert, wobei durch deren feine Chitinschüppchen alle Partikel von über 1-3 Mikrometer Größe zurückbehalten und anschließend nach außen befördert werden. Dadurch gelangt nur flüssige Nahrung in den Mitteldarm, wo sie gespeichert und/oder resorbiert wird. Kreuzspinnen zerkauen ihre Beute mit Hilfe der bezahnten Klauenfurchenränder der Cheliceren so stark, dass nur ein Klümpchen als Beuterest übrig bleibt.

Der verdaute Nahrungsbrei wird schlussendlich ausgeschieden und bildet einen schwarzen, präzis umrissenen Fleck von ca. 0,1 mm Durchmesser und bleibt, obwohl für das menschliche Auge gerade noch sichtbar nach Wiedereröffnung der Ausstellung am folgenden morgen von fast allen Ausstellungsbesuchern unbemerkt.
Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit der Tatsachen sich berührender und überschneidender Systeme ist auch das Thema Stefan Burgers Arbeit allgemein und bei der Ausstellung ‚*18 h 00* speziell auf die komplexe, miteinander verwachsene Anlage Friedrichshafen – ZF - Geschichte des Zeppelins/ Zeppelinmuseum zugeschnitten.

Im Stil der literarischen Gattung des ‚hysterischen Realismus’ (auch ‚verkrampfter Postmodernismus’ genannt) wird der komplexe Sachverhalt oben genannter systemischer Verwicklung in einer ebenso verwickelten Installation un/sichtbar gemacht.
Erfundene Protagonisten tauchen ebenso auf wie vollkommen Fehlende nie auftauchen werden, das Motiv eines gemeinsam entwickelten Vorhabens geht nur deswegen verloren um von jemandem anderen gefunden zu werden, der kostenlosen Rückerstattung grosser sowie kleiner Gefühle wird folge geleistet, die Ausstellung wird vom Bundesamt für Raumordnung und Bauwesen freundlich mit 2 weissen Paar Damenstiefeln unterstützt (Stiefelparadies Mönchengladbach), der Begriff des kleinsten gemeinsamen Nenners wird erörtert und in Form von tragbaren Skulpturen vom Künstler ausgeschieden, andere künstlerische Ausscheidungen werden auf ihre Wertlosigkeit hin in Abidjan überprüft. Joachim Gauck steuert (privat) 100g Freiheit bei die jeweils zu 25g in den weissen Damenstiefeln abgefüllt werden. Der Zeitwert abstrakter Kunst, die banale Handlung frisch gekauften Lauch im heimischen Gemüseregal zu versorgen sowie das Gedächtnis Christian Morgensterns werden zusammen - amalgamisiert an eine Wand geklebt. Firmenhierarchien und Fussschmerzen, Prosecco-Wurststimmung, und die Kritik der Kritik der Kritik eines Kinds werden schnörkellos, minimalistisch und kompromisslos vom Künstler in die Form einer installativen Anti-Erzählung überführt.


soon in english!

Stefan Burger
*18h 00*
Grenzraum
Zeppelinmuseum Friedrichshafen
1.6. – 8.7.2012

Die Ausstellung *18h 00* setzt, im Titel schon angedeutet an dem Moment an, an dem die Kunst am schönsten sein wird: am Ende der Museums-öffnungszeiten, im Dunkeln des Grenzraums, mit sich und als einzigem Publikum einigen verirrten Kreuzspinnen allein. Die im hierarchischen Gedrängel um die idealen Futterplätze in Lichtnähe bis in den lichtarmen Grenzraum verdrängten schwächeren Spinnen, werden auch dort nach längerem Ausharren und den Gesetzen des Zufalls nach mal was Brauchbares , mal was Unbrauchbares in ihrem Netz vorfinden. Während Unbrauchbares ignoriert wird und in einer auswegslos verklebten Situation verendet, wird Brauchbares auf der Stelle in die Bewegungsunfähigkeit gewickelt und innerlich mit einem zersetzenden Sekret ausgestattet, das die differenzierte Gestalt der einzelnen Organe des Opfers in einen universellen Nahrungsbrei verwandelt. Der so entstandene Nahrungsbrei wird von der Spinne mittels spezieller fiederartiger Borsten um der Mundöffnung und einer sogenannten ‚Gaumenplatte’ gefiltert, wobei durch deren feine Chitinschüppchen alle Partikel von über 1-3 Mikrometer Größe zurückbehalten und anschließend nach außen befördert werden. Dadurch gelangt nur flüssige Nahrung in den Mitteldarm, wo sie gespeichert und/oder resorbiert wird. Kreuzspinnen zerkauen ihre Beute mit Hilfe der bezahnten Klauenfurchenränder der Cheliceren so stark, dass nur ein Klümpchen als Beuterest übrig bleibt.

Der verdaute Nahrungsbrei wird schlussendlich ausgeschieden und bildet einen schwarzen, präzis umrissenen Fleck von ca. 0,1 mm Durchmesser und bleibt, obwohl für das menschliche Auge gerade noch sichtbar nach Wiedereröffnung der Ausstellung am folgenden morgen von fast allen Ausstellungsbesuchern unbemerkt.
Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit der Tatsachen sich berührender und überschneidender Systeme ist auch das Thema Stefan Burgers Arbeit allgemein und bei der Ausstellung ‚*18 h 00* speziell auf die komplexe, miteinander verwachsene Anlage Friedrichshafen – ZF - Geschichte des Zeppelins/ Zeppelinmuseum zugeschnitten.

Im Stil der literarischen Gattung des ‚hysterischen Realismus’ (auch ‚verkrampfter Postmodernismus’ genannt) wird der komplexe Sachverhalt oben genannter systemischer Verwicklung in einer ebenso verwickelten Installation un/sichtbar gemacht.
Erfundene Protagonisten tauchen ebenso auf wie vollkommen Fehlende nie auftauchen werden, das Motiv eines gemeinsam entwickelten Vorhabens geht nur deswegen verloren um von jemandem anderen gefunden zu werden, der kostenlosen Rückerstattung grosser sowie kleiner Gefühle wird folge geleistet, die Ausstellung wird vom Bundesamt für Raumordnung und Bauwesen freundlich mit 2 weissen Paar Damenstiefeln unterstützt (Stiefelparadies Mönchengladbach), der Begriff des kleinsten gemeinsamen Nenners wird erörtert und in Form von tragbaren Skulpturen vom Künstler ausgeschieden, andere künstlerische Ausscheidungen werden auf ihre Wertlosigkeit hin in Abidjan überprüft. Joachim Gauck steuert (privat) 100g Freiheit bei die jeweils zu 25g in den weissen Damenstiefeln abgefüllt werden. Der Zeitwert abstrakter Kunst, die banale Handlung frisch gekauften Lauch im heimischen Gemüseregal zu versorgen sowie das Gedächtnis Christian Morgensterns werden zusammen - amalgamisiert an eine Wand geklebt. Firmenhierarchien und Fussschmerzen, Prosecco-Wurststimmung, und die Kritik der Kritik der Kritik eines Kinds werden schnörkellos, minimalistisch und kompromisslos vom Künstler in die Form einer installativen Anti-Erzählung überführt.

Poster, 18 h 00, Grenzraum, Zeppelinmuseum Friedrichshafen, 1.6.–8.7.2012
Poster, 18 h 00, Grenzraum, Zeppelinmuseum Friedrichshafen, 6/1–7/8/2012