Stefan Burger
Werkdokumentation
Zürich, 17. Februar 2010
Stefan Burger, Stefan Meier: Stéphane Müller
Manchmal reicht ein kleiner Handgriff, um irgendein belangloses Ding zum Reden und die Welt aus den Fugen zu bringen. Das klassische Beispiel dafür ist das Pissoir, das Marcel Duchamp 1917 kaufte, zur "Fountain" erklärte und unter Pseudonym beim Pariser Kunstsalon einreichte. Mit dieser knappen Geste stellte er die gesamten Konventionen des damaligen Kunstbetriebs auf den Kopf - und löste einen Skandal aus, der auch für sein eigenes Werk nicht ohne Folgen blieb. Heute gehören Duchamps Ready-mades längst selbst zum Kanon. Was allerdings nicht hei§t, dass sich seine Strategie der Umnutzung vom Alltagsgegenstand zum künstlerischen Instrument damit erübrigt hätte.
Das wissen auch die Zürcher Künstler Stefan Burger und Stefan Meier. Im Rahmen der Regionale 8 haben sie im Freiburger T66 eine sehenswerte Ausstellung eingerichtet, die schon im Titel verrät, dass es ihnen ernst ist mit der Arbeit am Kanon: "Die gammeligen Konzepte III" ist eine Werkschau des fiktiven elsässischen Künstlers Stéphane Müller, die im ersten Moment den Eindruck erweckt, als betrete man das Wasser- und Schimmelschaden-Archiv eines Versicherungsbüros. An den Wänden hängen Fotos von verwahrlosten Küchen und aufgequollenen Tapeten, daneben lehnt sperriges Gerümpel, säuberlich aufgestellt wie zur Begutachtung der Spuren eines Rohrbruchs. Kleine Desaster, wohin man blickt. Doch der Eindruck täuscht.
Tatsächlich haben Burger und Meier hier eine Bühne für das ganz grosse Theater aufgebaut. Das Stück, das ihr alter ego Stéphane Müller dort aufführen darf, ist eine Art Tragikomödie über die Fallen und Missverständnisse im Bezugssystem Kunst. Dazu bedienen sich die beiden, die an der HGK Zürich Fotografie studiert haben, vorzugsweise aus dem Fundus ihres eigenen Alltags. So werden auf dem heimischen Küchentisch Frühstückbrettchen zu klassischen "white cubes" arrangiert, an deren Wänden gekochte Spaghetti kleben wie Frank-Stella-Bilder der 80er Jahre. Gegenüber stehen zwei mannshohe Fotografien einer alten Tür im Raum. Burger und Meier haben das Stück auf dem Dachboden des T66 gefunden und kurzerhand in ihre Schau integriert. Die Vorderfront des Türblatts ziert eine Glocke und der handschriftliche Hinweis: "Liebe Besucher, diese Glocke gehört nicht zur Ausstellung". Hatte René Margritte nicht das Gleiche behauptet, als er unter das Bild einer Pfeife "Dies ist keine Pfeife" schrieb?
Keine Frage: Die Fallhöhe zwischen der Wiederaufführung avancierter historischer Konzepte in Burgers & Meiers Do-it-yourself-Theater und dem heiligen Ernst, dem die kunsthistorische Interpretation der Originale folgt, ist so hoch, dass man sich das Lachen oft kaum verkneifen kann. Der Witz dabei ist, dass ihre "gammeligen Konzepte" gerade deshalb so gut funktionieren. Als Slapstickversionen der Kunstgeschichte brechen sie jeden Erkenntnishunger auf Kantenhöhe des gemeinsamen WG-Kühlschranks herunter, in dem es au§er Leberwurst und kalten Nudeln wieder mal nichts anderes gibt, mit dem man die zentralen Aspekte der Genremalerei, der Konzeptkunst oder des Kuratierens im Modell nachstellen könnte.
Ein schönes Beispiel für ihre krude Art, Weltkunstgeschichte nachzuerzählen, ist auch "Study for an 'Anti-Fountain'", für die Burger und Meier nach jeder Renovierung in ihrer WG den alten Toilettenboden entfernt und auf Spanplatte aufgezogen haben. Im T66 stehen drei dieser Objekte nun als Ready-Relikte mit unsauber ausgeschnittenen Löchern für die Kloschüssel an der Wand und stinken in plumper Wiederholung von Duchamps Geste gegen die akademische Umarmung seines Werks an.
Wie eng Erfolg und Scheitern, Hommage und Demontage in solch wackligen Konstrukten beieinander liegen, führen die beiden Zürcher exemplarisch mit zwei Arbeiten vor, die nicht nur räumlich, sondern auch in ihrer Haltung die Klammer
Text: Dietrich Roeschmann, 2007
Agression
[fig 1: Installationsansicht], [fig 2: Installationsansicht], [fig 3 & 4: Arbeit im Detail]
Text:
Ohne Titel (21.10 - 2.12.2007; 2t pro 2,4 qm), 2007 von Oliver Kielmeyer
Kunsthalle Winterthur, Winterthur, CH, 2007 |
www.kunsthallewinterthur.ch
Druck im Sinne einer psychischen und/ oder physischen Belastung meint nichts anderes als Stress (1). (1/ Umgekehrt bezeichnet Stress in der Werkstoffkunde den Zug oder Druck auf ein Material.) Stress wird durch verschiedene Faktoren ausgelöst: Einerseits durch physikalische Einwirkungen wie Hitze, Kälte oder Lärm, oder auch durch toxische Substanzen; andererseits sind auf emotionaler Ebene eigene Erwartungshaltungen und Befürchtungen dafür verantwortlich. Wikipedia listet einen ganzen Reigen von psychosozialen Stressfaktoren auf: Zeitmangel, Lärm, Armut, fehlende Gestaltungsmöglichkeiten, mangelndes Interesse am Beruf und in der Freizeit, gro§e Verantwortung, Mobbing, Schichtarbeit, ständige Konzentration auf die Arbeit, Angst nicht zu genügen, soziale Isolation, Verachtung und Vernachlässigung, Schlafentzug, Reizüberflutung, Krankheiten und Schmerzen, seelische Probleme, unterschwellige Konflikte, schwerwiegende Ereignisse, Unterforderung, Langeweile oder der Tod eines Angehörigen. Die Liste mag unvollständig sein, doch ist sie in hohem Masse aufschlussreich: Viele darin enthaltene Ursachen könnten nämlich ebenso gut auf einer Zusammenstellung erscheinen, welche die Merkmale unserer Gesellschaft auflistet.
Stefan Burgers Arbeit Ohne Titel (21.10 - 2.12.2007; 2t pro 2,4 qm)arbeitet im wahrsten Sinne des Wortes mit Druck, denn es handelt sich um eine Druckpresse, wie sie vor allem von Schreinern zum Pressen von verleimtem Holz benutzt wird. Die Vermutung, es handle sich hier um ein Readymade, ist nur bedingt korrekt, denn zum einen befinden sich eingespannt in die Druckpresse zweidimensionale Arbeiten des Künstlers, zum anderen ist die Thematik des Verhältnisses zwischen Kunst und normalem Gebrauchsgegenstand eher nebensächlich. Der selbstreflexive Kommentar zur Kunst besteht hier nicht wie beim herkömmlichen Readymade aus dem theoretischen Bedeutungshorizont der Grenzüberschreitung von Kunst und Alltag, sondern aus der exemplarischen Vorführung, welch grosse Rolle das Vorstellungsvermögen bei der Rezeption von Kunstwerken spielt.
Betrachtet man die Presse, so ist weder erkennbar, ob darin Zeichnungen, Fotografien oder Konzeptpapiere liegen, noch der effektive Druck, der auf sie ausgeübt wird: Die Wirkung des Drucks und das damit verbundene Zerstörungspotential findet alleine in der Vorstellung statt. Dies ist die eigentliche Kernaussage der Arbeit und entspricht wiederum dem, was bei eigentlich jedem Kunstwerk geschieht: Es geht nie ausschliesslich um die gegebenen Referenzen als solche, sondern um ihr Zusammenspiel, welches zur Stimulans der persönlichen Anschauung wird und einen imaginären Raum entstehen lässt. Durch die Unmöglichkeit, aufgrund des Wahrnehmbaren einzuschätzen, ob überhaupt und wenn ja, wie viel Druck ausgeübt wird, und darüber hinaus, ob sich auch wirklich Kunstwerke in der Presse befinden, wird noch ein weiterer Kommentar zur Rezeption von Kunst gemacht: In gewisser Weise widerspiegelt sich darin nämlich die generelle Skepsis vieler Ausstellungsbesucher, ob man manchen Kunstwerken trauen kann oder ob sie am Ende gar nicht ernst gemeint sind.
Welche Folgen der Druck auf die eingespannten zweidimensionalen Arbeiten hat, ist zunächst unklar. Da es sich um flache Bildträger handelt, kann man jedoch davon ausgehen, dass überhaupt nichts geschieht. Natürlich hätte Stefan Burger auch kleine Objekte in die Presse legen können, die durch den enormen Druck auf jeden Fall zerstört worden wären. Doch ihm geht es weniger um eine spektakuläre Zerstörung, sondern um das Wirken einer Kraft, deren Anwesenheit vom Betrachter ebenso wenig erkannt werden kann wie die dadurch entstehenden Veränderungen oder gar Schäden.
Die Verunsicherung des Betrachters ist in Stefan Burgers Werk eine wiederkehrende Konstante; ebenso die Referenzen aus dem Kunstsystem. Letztere müssen dabei nicht immer aus einem kunsttheoretischen Diskurs stammen wie in Ohne Titel (21.10 - 2.12.2007; 2t pro 2,4 qm). In Swollen Concept Piece (With the Need to Lay Down for a While) (2006) parodiert der Künstler beispielsweise sehr direkt ein Date Painting von On Kawara, in Abstraktion und Blattmimese (2007) wiederum versucht er ein Chamäleon in ein kleines Modell mit verschiedenen nachgebauten Kunstwerken zu lotsen und es zu einem Wechsel seiner Farbe zu bewegen (2). (2/ Die erwünschte Reaktion auf die Kunstwerk-Attrappen stellt sich natürlich nicht ein. Nach langem Zögern entscheidet sich das Chamäleon hinter dem Modell zu verschwinden. Beide Beispiele werden letztendlich aus einer künstlerischen Haltung des Zweifelns geboren, sei es hinsichtlich Stellung und Bedeutung einer kunsthistorischen Ikone wie On Kawara, sei es als mögliche Kunstrezeption durch Tiere. Der Charakter einer Versuchsanordnung, der viele von Burgers Arbeiten prägt, ist denn auch nicht zufällig, sondern das Resultat eines dauernden Stellens von Fragen, die man sich normalerweise gar nicht stellt.
Die Unsicherheit darüber, was mit den eingespannten Zeichnungen eigentlich durch den Druck geschieht, transformiert sich in Ohne Titel (21.10 - 2.12.2007; 2t pro 2,4 qm) in jene des Betrachters, der nicht in der Lage ist zu verifizieren, ob das als Kunstwerk Behauptete überhaupt wahr ist. Gleichzeitig wird dadurch jedoch eine Spannung aufgebaut, die sich in der individuellen Vorstellung entlädt: Wie muss man sich einen Druck von 8167 Pa vorstellen, was geschieht, wenn man einen Finger in die Presse halten würde, und welche Zerstörung kann man generell mit diesem Druck anrichten?
Wenn die eingespannten Kunstwerke am Ende der Ausstellung unbeschadet aus der Presse kommen, so zieht sich das Spiel rund um Wissen und dadurch stimulierte Vorstellungskraft natürlich weiter: Man mag es ihnen zwar nicht ansehen, doch kann man unter Umständen Kenntnis davon haben, was die Kunstwerke während gut sechs Wochen erlebt haben. So gesehen wohnt Ohne Titel (21.10 - 2.12.2007; 2t pro 2,4 qm)ein ausgesprochen performatives Moment inne: Die mit der zeitlich begrenzten Aktion der Druckausübung verbundenen Fragestellungen werden den in der Presse eingespannten Kunstwerken einbeschrieben und leben dort weiter.
Text: Oliver Kielmeyer, 2007
Helmut Newton 1920 - 2004 II
[fig 1 - 34: Arbeiten im Detail]
BLOCK 2008
Herausgegeben von Andrea Thal und Georg Rutishauser. Mit Bildbeiträgen von Stefan Burger, Victor de Castro, Cris Faria & Lukas Mettler, Stephanie Gygax, Andrea Heller, Tom Huber, Sophie Huguenot, Petra Elena Köhle & Nicolas Vermot Petit-Outhenin, Taiyo Onorato & Nico Krebs, Cora Piantoni, Guadalupe Ruiz, Christian Vetter.
edition fink, Verlag für zeitgenössische Kunst, Zürich, CH |
www.editionfink.ch
Les Complices*, Espace libre & Edition, Zürich, CH |
www.lescomplices.ch
Kunstmuseum Thun-Projektraum Enter
Fragile und poetische, wie auch von Witz und Ironie geprägte Fotografien, Installationen bis hin zu performativen Inszenierungen stehen im Zentrum von Stefan Burgers Schaffen. Fotografien bilden immer mal wieder den Ausgangspunkt seiner Arbeiten. Am Ende des künstlerischen Prozesses sind sie oftmals kaum mehr sichtbar und über Umwege zu Videos, skulpturalen Arbeiten oder Installationen weiterentwickelt. Das Medium Fotografie wird bis an die Grenzen seiner Möglichkeiten und darüber hinaus ausgelotet.
Im Mittelpunkt von Stefan Burgers Werken stehen Fragen nach den Produktions- und Präsentationsbedingungen von Kunst. Selbstreflexiv analysiert er seine Rolle als Künstler im Entstehungsprozess der Arbeiten, thematisiert das Verhältnis von Produzent und Rezipient oder schafft kritische Bezüge zur Kunstgeschichte. Er untersucht damit die Gesetze und Normen künstlerischer Produktion bis hin zu Abnormitäten und Irrwegen, deutet in ihre Richtung und hinterfragt sie.
Für Zusammengerückte Generalversammlung von Diversem im Kontext (Thuner Deutung), 2007, hat Stefan Burger ein Mitglied der Bogenschützen Thun eingeladen, eine um 90° gegen den Uhrzeigersinn gekippte Fotografie in einem performativen Akt als Zielscheibe zu interpretieren. Das Abgebildete verliert damit seine motivische Bedeutung, das fotografische Bild seine Funktion als Kunstwerk. Die Farben der Gläser werden zu den konzentrischen Kreisen einer Zielscheibe. Das tangentiale Aneinander-vorbei-Schrammen zweier Systeme, das der Bogenschützen und das der Kunst, wird zur flüchtigen und seltenen Begegnung.
Mit Reptile Den, 2007, greift Stefan Burger das Themenfeld von Produktions- und Präsentationsbedingungen von Kunst auf. Irritierenderweise steckt hier scheinbar ein Stein in einem Fensterflügel fest. Das Fenster ist zudem nicht wie üblich an der Grenze zwischen Innen und Aussen, sondern im Innenraum angebracht. Grundsätzliche Fragen von Innen und Aussen geraten durcheinander. Die ursprüngliche Funktion des Steins erläutert ein an der Wand befestigter Teil der Verpackung eines Terrariumproduktes: ein "Terrarium Tunnel System". Eine Hälfte dieses künstlichen Steins kann am Glas innerhalb eines Terrariums platziert werden und dient als Höhle für das jeweilige Reptil. Die zweite Hälfte des Steins wird mithilfe von Magneten an der Aussenseite des Terrariums angebracht und schliesst die Höhle ab, kann jedoch entfernt werden, um das Reptil zu beobachten. Das Terrarium selbst wird zum Inbegriff des Beobachtens, der künstliche Stein zu einem Hybrid aus Falle und voyeuristischer Prothese. Die Arbeit Reptile Den ist die Beschreibung des mechanischen Blicks und dem Trivialen in der Beziehung von Erwartetem und Sich-zu-Erfüllendem. Betrachten und Beobachten - Grundlagen des Kunstbetriebs - sind damit auf eine humorvolle und kritische Weise aufgegriffen.
Ein Floss, provisorisch zusammengebaut aus ein paar Fässern und Paletten, trägt einen Berg Betonklötze und eine Fahne mit sich. Auf der Fahne ist zu lesen: "fluctuat nec mergitur (Von den Wogen geschüttelt, wird es doch nicht untergehn!)" - das Motto des Wappens der Stadt Paris, das ein Schiff in schwerem Seegang zeigt. Die Arbeit gehört zu einer ganzen Reihe von Werken von Stefan Burger, in denen er sich mit der Versenkbarkeit befasst. Ausgang dieser Beschäftigung war die Geschichte des Kunstdiebes Stefan Breitwieser, dessen Mutter nach der Verhaftung ihres Sohnes zahlreiche gestohlene Kunstwerke im Rhein-Rhone-Kanal versenkt hat. Der Text der Fahne wiederum spielt auf den prekären Zustand eines bevorstehenden Untergangs oder Scheiterns an, gleichzeitig ist er aber geprägt von einem optimistischen Blick in die Zukunft.
Text: Dominik Imhof, 2007
Schlaffe Zentimeter, knapp über der Erdoberfläche
«(über Sommer) plötzlich weggerutsche Parameter»
[fig 1: Einladungskarte], [fig 3 & 9: Ausstellungsansicht], [fig 2, 6, 10 - 12, 16 & 18: Installationsansicht], [fig 4, 5, 7, 8, 13 - 15, 17 : Arbeiten im Detail]
Videoinstallation:
Kollaps
Videoinstallation:
Abstraktion und Blattmimese
Freymond-Guth & Co. Fine Arts, CH, 2007 |
www.freymondguth.com
Hollywood bei Nacht
[fig 1: Installationsansicht]
Installation auf der Liste 07
Liste 07, Basel, CH, 2007 |
www.liste07.ch
Sitting behind
[fig 1, 2 & 3: Arbeiten im Detail]
Fotoserie für Livraison No. 3, Hrsg. Henrik Timonen
Livraison, Stockholm, S, 2007 |
www.livraison.se
Hard Edge is in/ Hard Edge is out
Helmut Newton 1920 - 2004 & Ohne Titel
The Art of Failure
[fig 1 & 2: Installationsansicht], [fig 3: Arbeit im Detail]
Text:
The Art of Failure von Sabine Schaschl
Kunsthaus Baselland, Basel, CH, 2007 |
www.kunsthausbaselland.ch
An der Basis der Werkkonzeptionen Stefan Burgers steht häufig die Fotografie, auch wenn die
Ergebnisse selbst ganz andere Formen annehmen: Installationen, Video, Objekte und bühnenhafte
Inszenierungen scheinen auf den ersten Blick das Medium Fotografie in den Hintergrund zu drängen.
Dennoch erinnert "Il Museo e chiuso" durch das Loch im Holzkasten an eine Lochkamera.
Die hängende, vogelhausartige Konstruktion mit zugenagelter Einganssituation und einem entsprechenden
Schild versehen, weist das imaginäre Museum und/oder den historischen Fotoapparat
als geschlossen aus. Ebenso bezieht Burger kunsthistorische Referenzen und generelle Fragen an
die Rolle und Präsentation der Kunst in seine Betrachtungen mit ein. "Ohne Titel", eine Objekt-
Installation aus einem runden Luftkissen mit verschiedenfarbigen, kreisförmigen Streifen wird an
die Decke aufgespreizt präsentiert. Assoziationen an eine Zielscheibe werden ebenso wach, wie an
Werke der geometrischen Abstraktion oder der Farbfeldmalerei. In diesem Werk schwingt die Frage
nach einem Scheitern der Malerei oder viel genereller die Frage nach einem Scheitern ihrer Präsentationsformen
mit: Ist die Kunstgeschichte aufgeblasen? So sehr, dass sie festgehalten werden muss?
Wie geht ein junger Künstler mit diesem Ballast um? Scheitert die zeitgenössische Kunstproduktion
an der Aufgeblasenheit des Kunstsystems? Hinzu kommt, dass "Burger mit einer gewissen ironischen
Distanz zur eigenen Rolle als Produzent spielt" (Burkhard Meltzer). Die spezifisch für das Kunsthaus
Baselland geschaffene Arbeit "Internationales Seifenkistenrennen, Leipzig 2002" überprüft
und lotet die Grenzen des Kunstschaffens und, in diesem Falle, auch ihre Einbeziehung in den
Alltag aus. Eine vorgefundene Situation, bei welcher eine Skulptur im öffentlichen Raum anlässlich
eines Seifenkistenrennens vor den Rennteilnehmern bzw. letztere vor einem Zusammenprall mit der
Skulptur durch Autoreifen geschützt werden mussten, bildet die Vorlage. Burgers Installation greift
das Vorbild auf und stellt die Frage nach der Gefährlichkeit
Text: Sabine Schaschl, Kunsthaus Baselland, 2007
Sprung ins Leere unter Begutachtung einer Expertenkommission
[fig 1: Installationsansicht], [fig 2: Arbeit im Detail]
Regionale7, Kunsthalle Basel, CH, 2007 |
www.kunsthallebasel.ch